Im gesegneten Alter von 98 Jahren verstarb Peter Mirkes, einer der erfolgreichsten Leichtathleten in
Rheinland‐Pfalz. 16 Goldmedaillen gewann das Ehrenmitglied des TV Birkenfeld bei Welt‐ und
Europameisterschaften der Senioren. Doch schon als junger Mann zählte der Sprinter zu den
schnellsten Deutschen: Mit der 4x400‐Meter‐Staffel von Rot‐Weiß Koblenz wurde er zwischen 1950
und 1953 jeweils zweimal deutscher Vizemeister und DM‐Dritter.
Seine größten Triumphe feierte er mit 60 Jahren 1987 in Melbourne, als er vier Weltmeistertitel holte
– über 100 und 200 Meter sowie mit der deutschen 4x100‐ und 4x400‐Meter‐Staffel – und dabei vier
Weltrekorde aufstellte. „Sport darf nicht zur Schinderei werden“, betonte der für seinen ästhetischen
Laufstil bekannte Held von Melbourne. Bei der Europameisterschaft im folgenden Jahr in Verona siegte
er erneut in allen vier Disziplinen. Drei weitere Goldmedaillen sicherte er sich bei der EM 1994 in Athen
über 100, 200 und 4x100 Meter, obwohl er vorher fünf Jahre keinen wichtigen Wettkampf absolvierte.
Auf einen Einsatz in der Staffel beschränkte er sich bei der WM 1995 in Buffalo und vollendete seine
glanzvolle Karriere mit einer Silbermedaille. Damit bestätigte der vorbildliche Sportsmann, der
zunächst bei seinem Heimatverein SV Neuerburg Fußball spielte, einmal mehr die ihn auszeichnenden
Tugenden als Teamplayer. Unter den Leichtathleten war er eine Ausnahmeerscheinung und national
wie international hoch angesehene Persönlichkeit. Bei all seinen herausragenden Leistungen und
seinen zahllosen Meistertiteln blieb er frei von Eitelkeit und Egoismus, vielmehr zeit seines Lebens
bescheiden und hilfsbereit. Während andere stolz ihre Trophäen und Urkunden zur Schau stellen,
verbarg er seine stattliche Sammlung an Pokalen und Medaillen hinter einer Schranktür.
Deshalb wusste in Birkenfeld kaum jemand um den Ruhm, den der Metzgermeister bereits in den
1950er‐Jahrem erntete. Außerdem bestritt er 1953 einen Länderkampf für Deutschland. 16 Jahre hielt
der Rheinlandrekord, den er mit der Koblenzer 4x400‐Meter‐Staffel zusammen mit Gerhard Audorf,
Hubert Huppertz und Karl Kohlhoff bei der Deutschen Meisterschaft 1951 in Düsseldorf erzielte. Um
lediglich 0,2 Sekunden knackte ihn das rot‐weiße Quartett 1967 – mit dem Idar‐Obersteiner Heinz
Hofmann, den mit Mirkes eine lebenslange Freundschaft verband. Ein anderer Idarer, Vize‐
Europameister Helmut Dreher, ersetzte ab 1954 den zu Spora Luxemburg abgewanderten Eifeler.
Für Rot‐Weiß Koblenz entdeckte der von 1952 bis 1974 und bei fünf Olympischen Spielen amtierende
Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik‐Verbands (DLV) und spätere Sport‐Professor Berno
Wischmann die Talente in der tiefen Provinz.
1966 kam Peter Mirkes in die kleine Kreisstadt an der Nahe, eröffnete in der Hauptstraße seine
Fleischerei, die er bis 1991 betrieb, und schloss sich gleich dem Turnverein an, in dem er als
kompetenter und einfühlsamer Übungsleiter zum Aufschwung der Leichtathletikabteilung beitrug.
Zumal er nach wie vor mit den Jungen mithalten konnte, ging er auch wieder selbst an den Start und
lief 1977 – kurz vor seinem 50. Geburtstag – die 100 Meter auf der Aschenbahn in Birkenfeld in 11,3
Sekunden.
Fünf Jahre später, als der Veteran 11,7 Sekunden brauchte, war im Kreis Birkenfeld in der Männer‐
Hauptklasse nur einer schneller – um gerade mal eine Zehntelsekunde. Bis heute haben in den
Altersklassen M 50 bis M 65 acht seiner Rheinlandrekorde Bestand. Jahrzehntelang trainierte der
Inhaber der Goldenen Ehrennadel des DLV beim TVB die Kinder und Jugendlichen, deren Ehrgeiz er oft
bremste. In aller Regel erreichte er bei ihnen rasch eine deutliche Steigerung der Schnelligkeit. Darüber
hinaus vermittelte er ihnen Werte fürs Leben. Bis heute erinnern sich von ihm betreute Sportlerinnen
und Sportler dankbar an ihren Förderer die gemeinsame Zeit und reisen teils über Hunderte von
Kilometern zu seiner Beisetzung am 20. Februar in St. Wendel an, wo auch seine Frau ihre letzte Ruhe
fand.
Um Peter Mirkes, der seinen 98. Geburtstag am 28. September 2025 noch vital im Landgasthaus Böß
in Schwollen beging, trauern seine Lebensgefährtin Elfriede Pauli, sein Sohn Marco und seine Tochter
Steffi mit Familien und etliche Wegbegleiter, die ihn als großen Sportler und feinen Menschen
schätzen.